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Jüdische Gemeinschaft in Deutschland - auf der Suche nach dem Weg (2) Drucken
Geschrieben von: Elena Gubenko   
Freitag, 09. Juli 2010 um 09:07 Uhr
(Das 1. Kapitel s. hier: http://freie-juedische-meinung.de/ru/component/content/article/265-suche)

Kapitel 2.
Zone ohne Demokratie

„Viele ehemalige Sowjetbürger jüdischer Herkunft, die die nicht integrierte Mehrheit der Mitglieder der Gemeinden bilden, benötigen dringend die Vermittlung demokratischen Bewusstseins. Geschädigt durch die Erziehung in einem totalitären Staat, sind sie nicht in der Lage, die Demokratie als einen bedeutenden Wert anzuerkennen. Jedoch, die Schule der Demokratie, die die ankommenden Juden, gemäß der Behauptungen des Zentralrats der Juden in Deutschland (ZRJD), in jüdischen Gemeinden durchleben (und für die meisten von ihnen ist es die einzige Form gesellschaftlichen Lebens), erweckt die Menschen nicht nur nicht, sondern beschließt endgültig ihre Degradierung.“*

Nur wenige versuchen, dagegen anzukämpfen (einheimische und «russische» Juden). Der Kampf dieser wenigen erinnert an den Kampf von Don Quichotte mit den Windmühlen oder David gegen Goliath. Analog zu unserer totalitären Vergangenheit, kämpfen die autoritären jüdischen Strukturen mit freigeistig und anders Denkenden mit den uns bekannten, repressiven Methoden. Zu den Opfern werden die Besten – die aktiven, kompetenten, ehrlichen - diejenigen, die man als intellektuelle Elite bezeichnen kann. Den Menschen wird nicht nur ein nicht wieder gut zu machender moralischer Schaden zugefügt, sondern auch ein körperlicher. Ich kenne nicht wenige Beispiele dramatischer und sogar tragischer Folgen dieses ungleichen Kampfes.

Die Politik der deutschen Regierung berücksichtigt nicht die tatsächliche Situation und bremst in Wirklichkeit die freie Entwicklung des jüdischen Lebens im Lande. Der ungerechtfertigte Boom des Synagogenbaus mit leeren Gebetssälen, der aus den Taschen des deutschen Steuerzahlers finanziert wird, das Streben nach Protzen ersetzt das genuine Interesse an den Juden und notwendige Hilfe.

Die Beziehung der Deutschen zu den jüdischen Gemeinden wie zu einer „heiligen Kuh“ verschließt offizielle jüdische Strukturen von einer rechtlichen Basis und einer Zone des Handels nach demokratischen Normen. Dieses unterstützt unter anderem die Gesetzgebung auf Basis der Weimarer Verfassung von 1919, die den Gemeinden Autonomie als ein Recht zugestand, selbständig eigene Angelegenheiten zu regeln, ohne Einmischung von außen. Aber wie waren damals die Gemeinden? Es waren rein religiöse Gebilde, die im Übrigen vom Finanziellen her mehr als gut situiert waren. Die Mitglieder der Gemeinden lebten nach den Gesetzen der Thora, beteten, begangen religiöse Feiertage, halfen Armen. Geleitet wurden die Gemeinden von einem Rabbiner – dem Verstand und Gewissen der Gemeinden.

Heutzutage ist die Situation eine ganz andere. Die Mehrheit der Mitglieder der Gemeinden ist areligiös und materiell verarmt. Einerseits sind die Gemeinden autonom und regieren sich selbst, andererseits, da sie den Status einer öffentlichen Körperschaft haben, befinden sie sich in der Versorgung durch den deutschen Steuerzahler. Der Zentralrat der Juden in Deutschland und seine Ableger berufen sich auf die in den Gesetzen verankerte Autonomie und lehnen jede Kontrolle des Gemeindelebens ab.

Das Schieds- und Verwaltungsgericht beim Zentralrat der Juden – ist das einzige Rechtsorgan, das in der weltlichen Sphäre der jüdischen Gemeinschaft tätig ist. Das Schiedsgericht ist abhängig vom undemokratischen Zentralrat der Juden und praktisch nicht handlungsfähig. Die Geschlossenheit der Arbeit des Gerichts vor der deutschen Öffentlichkeit zieht die „Sauberkeit“ seiner Tätigkeit in Zweifel und gibt unehrlichen Funktionären der Gemeinden die Möglichkeit, ihre Vergehen sogar nach vollzogener Rechtsprechung zu verbergen. Die Gemeinden sind staatlichen Gerichtsorganen nicht untergeordnet.

Dieser Status der Gemeinschaften, ihre Unkontrollierbarkeit, zieht viele vollkommen areligiöse Menschen an, Leitungsfunktionen in den Gemeinschaften zu übernehmen, deren einziges Ziel es ist, ihre eigenen egoistischen Interessen zu befriedigen und sich eine politische Karriere mit einem „jüdischen Ticket“ zu ermöglichen. Formell gesehen, werden Mittel nur bewilligt bei einer ganzheitlich religiösen Orientierung des Gemeindelebens. Deshalb wird in einigen Gemeinden das religiöse Leben nur imitiert und in anderen findet es gar nicht statt.

Macht verdirbt bekanntlich, aber absolute Macht – verdirbt ganz. Das autoritäre Regime der Leitung vieler Gemeinden, die Nichtbeachtung staatlicher und religiöser Gesetze, der Missbrauch finanzieller Mittel, die Diskriminierung der Menschen, Skandale – dies alles wurde zum gewohnten Alltag. Gewöhnliche Gemeindemitglieder sind erniedrigt, rechtlos, schutzlos allem ausgeliefert. Sie können keine wirksame Hilfe finden, nicht bei den deutschen Behörden, nicht beim Zentralrat der Juden, nicht bei den Rabbinern, nicht bei den jüdischen Gerichten.

In der Satzung des Zentralrats der Juden wird die „Mitwirkung und Unterstützung“ deklariert, doch damit beschäftigen sich genau diejenigen, die sich außerhalb der jüdischen Welt befinden: die Bundes- und Landesregierungen Deutschlands. Durch ihre Unterstützung leben die am Tropf des Staates hängenden Funktionäre der jüdischen Gemeinden, der Landesverbände und der Zentralrats der Juden, nicht schlecht.*

Heutzutage hat die jüdische Religion in Deutschland Konjunktur und wurde zu einem Instrument im Kampf um Macht und Einfluss in der Gesellschaft. Es wurde zum Shoa – Business.

Die Rabbiner, die in den religiösen Gemeinden in allen Fragen helfen sollen, sind in Wirklichkeit kraft- und machtlos (es gibt auch nur sehr wenige von ihnen in Deutschland). Die Anpassungsfähigkeit derjenigen Rabbiner, für die der Frieden mit der Führung der Gemeinden, sowie der reguläre Gehaltseingang etwas wichtiger sind, als die Gesetze der Thora, hat sie fast gleichgültig gegenüber Regeln gemacht, die ihnen das Rabbiner-Diplom auferlegt. Faktisch gesehen, werden die Rabbiner von der Führung der Gemeinden unterdrückt und sind, gewollt oder ungewollt, zu Helfershelfern der schlechten Taten dieser Gemeinden-Leitungen geworden.

Die Menschen distanzieren sich von den Gemeinden, treten aus, assimilieren, gehen zu anderen Religionen über oder in verschiedenen jüdischen Vereinigungen auf. Diese Vereinigungen haben die grundlegende Arbeit der Integration auf sich genommen, die nicht das Ziel religiöser Gemeinden sein kann und zu deren Verwirklichung sie nicht im Stande sind. Diese Aufgabe ist den Gemeinden aufoktroyiert worden und dafür bekommen sie viel Geld). Noch mehr – ganz offensichtlich zu erkennen sind die Prozesse der Desintegration in den Gemeinden, genau daran sind die jüdischen Funktionäre interessiert, denn nur unselbständige, sprach-, stimm- und rechtlose, aus dem gesellschaftlichen Leben herausgerissene Menschen kann man manipulieren und vor ihrem Hintergrund einen Posten in der Gesellschaft bekleiden. Heutzutage sind die Gemeinden „Goldene Käfige“, die modernen Ghettos.

Die ganze Struktur unter der Leitung des Zentralrats der Juden ist eine geschlossene Bildung, die gar nicht am staatsbürgerlichen und politischen Leben des Landes teilnimmt und sehr oberflächlich, eitel, aber am häufigsten gar nicht im interreligiösen und interkulturellen Dialog. Die Struktur, die auf die endlose Herausgabe von Geldern durch die Deutschen herausgebildet ist und dabei mit der Flagge des Holocausts herumwedelt, arbeitet nur für sich selber.

Die Politik „nur nehmen und nichts geben“ bringt die Menschen zum Pragmatismus, Konsumdenken, Unselbständigkeit, befördert die Demoralisierung und eine engstirnige, spießbürgerliche Denkungs- und Lebensart.

All dies, genau wie die Integrationsarbeit, kompensieren gerade die alternativen jüdischen Organisationen mit ihrer Tätigkeit. Allerdings werden sie von der deutschen Seite nicht als vollgültige Vertreter der Juden in Deutschland angesehen, sie erfahren keine moralische und keine materielle Unterstützung, sondern, im Gegenteil, Widerstand von Seiten der offiziellen jüdischen Strukturen, die nur für ihre Selbsterhaltung arbeiten, die um ihr Monopol gegen jede Konkurrenz kämpfen. Diese Strukturen streben danach, die Vielschichtigkeit des Judentums in Deutschland zu unterdrücken, seine unterschiedliche Identität, sein Selbstbewusstsein und seine Ausdrucksmöglichkeiten.

Als Juden werden in Deutschland nur die Mitglieder der Gemeinden betrachtet. Für die anderen hat niemand etwas übrig. Der Begriff der „jüdischen Öffentlichkeit“ in Deutschland existiert überhaupt nicht. Die Mitglieder der Gemeinden, die in den Genuss der Unterstützung kommen, stellen weniger als die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Deutschlands. Und wenn man die „Toten Seelen“ ausschließt, werden es noch weniger.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist der offizielle und einzige Partner der Regierung, gibt vor, der Vertreter aller Juden zu sein, vertritt statistisch gesehen nur den kleineren Teil dieser Hälfte (die Mitglieder der Gemeinden), aber faktisch gesehen, niemanden. Er entwickelt kein Interesse am realen Leben und Bedürfnissen der Menschen, verteidigt nicht die Interessen der Juden, sondern verfolgt nur ein Ziel: die Stärkung der eigenen Position. Dieses Ziel wird von der juristischen Basis des Zentralrats der Juden in Gänze unterstützt, von seinen Statuten, die dem Zentralrat der Juden die Möglichkeit geben, sich abseits der Demokratie zu bewegen und von seiner Wählerschaft nicht abhängig zu sein - den Mitgliedern der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Viele sind der Ansicht, dass der Zentralrat der Juden dem deutschen Judentum schadet, s. die Ergebnisse einer Umfrage auf der Homepage „Freie jüdische Meinung“: http://www.freie-juedische-meinung.de/de/component/poll/15-taetigkeit-der-zentralrates-der .

* M. Izkovitch, Magdeburg

***

Fortsetzung folgt

 

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