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Der Machtvirus und die Immunität gegen die Anständigkeit
Der Machtvirus und die Immunität gegen die Anständigkeit - dritte Seite Print
Written by Leib   
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Der Machtvirus und die Immunität gegen die Anständigkeit
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Bin ich etwa daran schuld, dass mich der Liebespfeil getroffen hat?

Wie Sie als Leser bereits erfahren haben, verbietet die Gemeindewahlordnung jegliche Agitation in den Gemeinderäumen und in ihrer Nähe. Doch wenn ein wirklich gut informierter Mensch am Tag der Wahlen den unmündigen Wählern helfen will, zu verstehen, für wen sie ihre Stimme abgeben sollen, hilft er ihnen. So kam am Tag der Wahlen zur Vertretung, dem 10.12.2008 der Bibliotheksmitarbeiter Isaak Olschanski zum Eingang und fing an laut und offensichtlich per Mundpropaganda, Agitation zu betreiben. Dies haben Mitglieder der Wahlkommission, die Vorstandsmitglieder und auch die Mitglieder der noch amtierenden Vertretung gesehen, aber nichts dagegen unternommen. Warum auch? Hat Herr Olschanski doch für diejenigen geworben, die schon jahrelang die Gemeinde regieren. Anschließend verteilte der Agitator, voller Liebe zu denjenigen an der Macht, Listen mit den 15, seiner Meinung nach, „richtigen“ Kandidaten. „Die Bedienungsanleitung von Olschanski“ ist für offensichtlich dümmliche Menschen gedacht: er hat seine Kandidaten einfach in Spalten aufgeteilt, analog zur Aufteilung der Tasten der Wahlmaschine. Und kein einziger Anwesender hat Herrn Olschanski so etwas gesagt, wie „Isaak, so verhält man sich nicht in der Öffentlichkeit“. Nicht nur war niemand wegen der Ratschläge, um die niemand gebeten hat, beleidigt, man hat auch brav nach der Bedienungsanleitung  die von Isaak empfohlenen Tasten gedrückt.

Auf dem Stimmzettel standen insgesamt 21 Kandidaten bei 15 Plätzen in den Vorstand. Wer sind eigentlich diejenigen, denen Herr Olschanski das Recht, sich als den „richtigen“ Kandidat zu nennen, verwehrt hat? Es sind sechs, sozusagen, „Oppositionelle“, die die Handlungen des amtierenden Vorstands und der Vertretung kritisieren.

Wie sind wohl die Wahlen, deren Leitung Herr Olschanski entschlossen übernommen hat, ausgegangen? Von den von ihm „vorgeschlagenen“ 15 Kandidaten wurden 14 gewählt! Und von den „bösen“ ist nur einer reingekommen, Genadi Man.

Das zweite Dokument, bei dem Isaak Olschanski noch vor der Wahl seine Finger eines sehr belesenen Menschen im Spiel hatte, war die „Botschaft an die Wähler“. Außer Isaak Olschanski bestanden auf der Verantwortung zu wählen, Alexander Ioffe, Boris Dennenburg, Efim Schejnman und Ovsij Latermann. In diesem fast eine Zeitungsspalte langen Dokument wird Gleichgültigkeit als das größte Übel bezeichnet und alle Gemeindemitglieder zur Teilnahme an der Wahl aufgerufen, sowie dazu, ihre Wahl ernst zu nehmen.

Doch die Mitglieder sind dem Aufruf nicht gefolgt. Von den 3955 Stimmberechtigten sind nur 1079 gekommen, und nur 1046, also gut ein Viertel hat tatsächlich seinen Stimme abgegeben.

Es wird weiterhin gesagt, die fehlende Jugend beeinträchtige die Auswahl würdiger Kandidaten und dass die jetzige Führung geschlossener und effektiver als ihre Vorgänger gearbeitet habe. Kannst du noch dem Gedankengang folgen, lieber Leser? Solange es am Nachwuchs mangelt (was noch länger der Fall sein wird), muss man „à la Olschanski“ diejenigen wählen, die schon Jahrzehnte lang in der Vertretung sitzen und in letzter Zeit geschlossener und erfolgreicher agieren als ihre Vorgänger.

Weiterhin werden, wie gewohnt, die Erfolge der Führung besungen und die Opposition heftig kritisiert. Dabei werden ähnliche Ausdrücke benutzt, wie das die Kandidaten des Blocks, Populismus betreiben, für ein Produkt der bei Weitem nicht besseren Qualität werben und dies auf primitivste, billigste und deswegen  falsche Weise täten und dass alles für naive Menschen gedacht sei, die man leicht übers Ohr haut, usw.

Meiner Ansicht nach, zielt gerade diese „Botschaft“ auf die naiven Menschen ab, die man leicht übers Ohr haut. Wie dem auch sei, meine ich, dass die Unterzeichner in der emotionalen Verteidigung ihrer Ansichten sehr weit gegangen sind und würde diese „Botschaft“ fast als eine normale Kritik einordnen, aber…

Erstens: Am Ende der „Botschaft“ steht: „Wir, die Unterzeichner, sind keine Kandidaten und streben keine Macht an, jedoch sind wir seit vielen Jahre in unseren jeweiligen Bereichen ehrenamtlich tätig.“ In der Tat, streben die Leiter des Gemeindeclubs „Unser Haus“, Boris Dennenburg und Efim Schejnman, sowie der Mitarbeiter der Bibliothek, Isaak Olschanski, keine Macht an. Jedoch sind sie enge Vertraute der Machtträger, sind abhängig von ihnen und es ist in ihrem Interesse, den gegebenen Status quo zu erhalten. Was Herrn Ioffe angeht, so war er, zum Zeitpunkt der Unterzeichnung Vorstandsmitglied und hat, laut dem Mitglied der Gemeinde Anatoli K., ein paar Wochen, nachdem dieser Brief geschrieben wurde, sein Amt aufgegeben. Sobald er der Gemeinde sein Teuerstes Stück gegeben hat, d. h. als seine Tochter in der Sozialabteilung der Gemeinde zu arbeiten angefangen hat, hat er sofort auf sein Amt verzichtet.

Zweitens: Die Wahlkommission, die davon erfahren hat, dass ein russischsprachiger Gemeindemitglied, Herr Olschanski, mit Erlaubnis des Vorstands der November-Ausgabe des Gemeindeblattes eine Beilage in russischer Sprache beifügen will, hat per Fax am 13. November 2006 vom Vorstand gefordert, diese Beilage aus dem Versand herauszunehmen. Dabei hat sich die Wahlkommission auf die Norm der Wahlordnung, die ein derartiges Vorgehen untersagt, berufen.

Man sagt, dass im Kölner Vorstand der Merksatz „ Der Hund bellt und der Zug fährt weiter“ gilt. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass die Antwort des Vorstands gegenüber der Wahlkommission die Versendung dieser „Botschaft“ durch die Gemeindemitglieder zusammen mit der November-Ausgabe des Gemeindeblattes war. In seinem Brief an die Wahlkommission, nach der Versendung der „Botschaft“, hat der Vorstand beteuert, er befolge alles, was nur befolgt werden kann.

Und jetzt ist es dem Leser überlassen, darüber zu entscheiden, ob die drei Mitglieder des amtierenden Vorstands und gleichzeitig Kandidaten bei der Wahl 2006 die Publikation der Mitteilung, die ihre Konkurrenz verleumdet, aus der Gemeindekasse bezahlt haben. Haben sie die Verwaltungsressourcen zu ihrem Gunsten benutzt?

 

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