|
|
Brief in der Angelegenheit „Gemeinderabbiner und Amtsrabbiner“ Dr. h.c. Brandt von Augsburg und Bielefeld |
|
|
Written by Alois Samuel Wasser, Rechtsanwalt
|
|
Thursday, 19 January 2012 12:24 |
Am 18.12.2011 sandte ich einen Brief an den Präsidenten der Gemeinde Augsburgs, Herrn A. Mazo, nach dem meine E-Mail an ihn ebenfalls unbeantwortet blieb. Der Hintergrund war, dass im November/Dezember 2011 Dr. h.c. Brandt in der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg-Schwaben „angehört“ worden sein soll zu den Vorgängen, die im Zusammenhang mit dem Bericht in der Jüdischen Zeitung, „Die Tore der Reue und Umkehr stehen immer offen“ und den offenen Brief an ihn, „Ähnelt das nicht einem Schwindel?“ beide auf diesem Portal nachzulesen. Betroffen ist nach wie vor die Jüdische Gemeinde in Bielefeld und in Augsburg. In dem Brief an A. Mazo habe ich bedauert, dass wir nicht angehört wurden und daher einer eindimensionalen Wahrnehmung und Darstellung durch Dr. h.c. Brandt Vorschub geleistet würde. Beobachter aus der Gemeinde in Augsburg sollen berichtet haben, dass Dr. h.c. Brandt seine Kritiker als „Wenige oder Einzelne“ abgetan habe, die nur darauf aus seien, seinen „guten Ruf“ und seine „ gute Reputation“ zu schädigen.
Gegen Dr. h. c. Brandt u.a., der sich als „Amtsrabbiner“ von Bielefeld bezeichnet, was immer auch das sein mag, wird laut Schreiben der Generalstaatsanwaltschaft Hamm, im Rahmen einer Beschwerde von uns gegen die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens gegen Michelsohn, Adam und Brandt, weiter ermittelt, wegen des Verdachts der Rechtsbeugung. In dem Schreiben der Generalstaatsanwaltschaft vom 04.01.2012 heißt es:
„Soweit Sie gegen Dr. Brandt u.a. den Vorwurf der Rechtsbeugung erhoben haben, hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld ein neues Ermittlungsverfahren eingeleitet, von dessen Ausgang Sie, soweit gesetzlich vorgesehen, gesondert in Kenntnis gesetzt werden.“
Abgesehen davon, dass es sehr unhöflich ist, nicht zu antworten, scheint es, dass es eine Tendenz bei Verantwortlichen in Jüdischen Einrichtungen gibt, so auch in Augsburg, dass unliebsame Fragen oder Sachverhalte, einfach nicht beantwortet werden und man die Angelegenheit „aussitzt“ und „totschweigt“ bis sie sich totläuft.
Da mir oder uns keine Aussagen direkt aus der Gemeinde in Augsburg vorliegen und ich nur vom Hörensagen mutmaßen kann, habe ich die vermeintlichen Aussagen zum Anlass genommen, um unsere Sichtweise in Bielefeld nochmal kurz dazulegen und uns erneut zu positionieren.
Dr. Brandt soll berichtet haben, er habe mich angezeigt, wegen des Zeitungsartikels in der JZ Ausgabe Juni 2011. Das stimmt nicht, jedenfalls ist dies mir bisher nicht bekannt. Tatsächlich hatte ich einen Leserbrief am 13.09.2010 in der Tagespresse platziert, der die Einstellung des Strafverfahrens gegen den damaligen illegitimen Vorstand in der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld zum Thema hatte. Daraufhin hatte Dr. Brandt an die Staatsanwaltschaft Bielefeld geschrieben, ich zitiere auszugsweise:
„...aufgrund eines längeren Auslandsaufenthaltes komme ich leider erst heute dazu Ihnen zu schreiben. Mit Zorn und Ärger habe ich von dem Leserbrief eines Rechtsanwaltes Alois Wasser in der Neuen Westfälischen vom 13. Oktober 2010 (Kopie liegt bei) Kenntnis erhalten. Als zuständiger Rabbiner für die Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld distanziere ich mich auch im Namen meiner Gemeinde in aller Form von den Vorwürfen und Unterstellungen die der Schreiber gegen Sie und damit gegen die deutsche Justiz erhebt. Ich bin mir sicher, dass dies auch im Sinne aller jüdischen Organisationen und Verbände auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene ist. Es ist zutiefst zu bedauern, dass Herr Wasser hier schlimmste antisemitische Klischees bedient und damit nicht nur der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, sondern auch der freien und demokratischen Gesellschaft Deutschlands Schaden zufügt.“
Bis heute blieb Dr. h.c. Brandt die Antwort schuldig, welchen Schaden ich angerichtet hätte?
In einer anderen Angelegenheit vermisst man Dr. h. c. Brandts Aktivitäten. Tatsächlich hatte das Obere Schieds- und Verwaltungsgericht beim Zentralrat der Juden in Deutschland, im August 2011 festgestellt, dass die Jüdische Gemeinde in Bielefeld nicht legitimiert und keine ordnungsgemäße, der Satzung entsprechende, Vertretung hat. Heute schreiben wir den Januar 2012. Die Jüdische Gemeinde Bielefelds ist nach wie vor nicht legitimiert, zu handeln. Bis heute sind keine Neuwahlen durchgeführt worden. Der rechtsfreie Raum existiert nach wie vor. Eine Stellungnahme von dem Amtsrabbiner aus Bielefeld, Dr. h.c. Brandt, fehlt bis heute. Dennoch bezieht er nach wie vor ein Honorar von der Gemeinde Bielefeld für sein Kommen. Wodurch legitimiert?
Wieso verurteilt er nicht als Amtsrabbiner die Verhältnisse der jetzigen „Was-auch-immer-Führung“ in Bielefeld und hat sie zuvor nicht verurteilt?
Ist das nicht Amtsmissbrauch des Dr. h. c. Brandts als Rabbiner? Ist dies mit dem Amt des Rabbiners, als Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz und als Präsident des Deutschen Koordinierungsrates e.V. (Dachverband christlich-jüdischer Gesellschaften) vereinbar? Fügt nicht dieses Verhalten dem Judentum in Deutschland erheblichen Schaden zu, weil durch dieses Verhalten der Gedanke aufkommen könnte, dass das Rabbineramt in Deutschland einen Freibrief beinhalte oder das Judentum schlechthin?
Man beschädige seine Ehre und seine Reputation?
Im Jahr 1994 bekam Henry G. Brandt durch den Evangelischen Fachbereich der Philipps-Universität Marburg die Ehrendoktorwürde verliehen.
Im Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat fiel die Universität Marburg mit ihren vielen Unterzeichnenden zu diesem Bekenntnis auf. Das ist eine geschichtliche Tatsache. Eine weitere Tatsache ist, dass viele evangelische und katholische Theologen, vormals glühende Verfechter des „neuen Herrenstaates“ als treue Lutheraner und treue Diener ihrer Kirche, unbescholten nach dem Dritten Reich an Universitäten, Kirchenlehrstühlen etc. fortlehren und fortbilden konnten, bis hin in die höchsten Ränge. Um nur ein Beispiel zu erwähnen: Am 3.4.1928 bekennt Otto Diebelius, Theologe -(1949 bis 1961 Vorsitzender im Rat der evangelischen Kirche, EKD und 1954 bis 1961 im Präsidium des Weltkirchenrates) im Ostern-Brief an die Pfarrer: „Ich habe mich… immer als Antisemit gewußt.“ (Quelle: Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich, 3.Auflg. Januar 2011, S.107) und reagiert auf die Hilferufe des Rates der Juden vom 1.4.1933 wie folgt: „4.4.1933 - Rede des evangelischen Generalsuperintendenten Dibelius über Kurzwelle. Die Rede ist vor allem an die Protestanten der USA gerichtet. Der Boykott gegen die Juden sei "in Ruhe und Ordnung" verlaufen. Die Kirche "kann und darf den Staat nicht daran hindern, mit harten Maßnahmen Ordnung zu schaffen ... Sie werden es erleben, dass das, was jetzt in Deutschland vor sich geht, zu einem Ziele führen wird, für das jeder dankbar sein kann, der deutsches Wesen liebt und ehrt" (zit. nach Beuys, a.a.O., S. 533 f.). (Quelle: Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 4: Die evangelische Kirche und der Holocaust, Wertheim 1999, zit. nach, Fassung vom 15.12.2011;)
Dr. h. c. Brandt scheute sich auch nicht das Bundesverdienstkreuz anzunehmen. Damit reiht er sich in eine Personengruppe ein, deren Auszeichnung mit diesem „Bundesverdienstkreuz“ mehr als fragwьrdig ist. Wolf Meyer-Erlach, Theologe und Mitarbeit im „Institut zur Erforschung und Beseitigung des Jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ in Eisenach; ab 1922 Propagandaredner der NSDAP. Lies seinen Namen ändern „… damit er nicht allzu missverständlich jüdisch klinge…“ und - 1963 Bundesverdienstkreuzträger -, (Ernst Klee, Wer war was vor und nach 1945, Meyer-Erlach, Wolf) oder Prof. Heinrich Friedrich Wilhelm Weitz, von 1936 bis 1946 Professor der Inneren Medizin und Direktor des Instituts für Zwillings- und Erbforschung an der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik an der Universität Hamburg. Weitz trat 1937 NSDAP bei. Er wurde 1938 Mitglied der SS, aus der er jedoch 1943 auf eigenen Wunsch wieder austrat. Zudem gehörte er dem Senat der Kolonialärztlichen Akademie der NSDAP an. Nach Kriegsende wurde er aus dem Professorenamt entlassen, galt jedoch ab 1950 als emeritiert. Weitz wurde 1959 Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und erhielt 1961 das Große Bundesverdienstkreuz verliehen (Quelle) Der Hygieniker Karl-Wilhelm Jцtten bekam fьr seine Erfolge in der Staublungenforschung das Bundesverdienstkreuz. In Mьnster trдgt noch heute eine StraЯe seinen Namen. Sein Erfolg: Promotion ьber „Erbhygienischen Untersuchungen an Hilfsschulkindern“. Auf einem Kongress soll er, der sich ansonsten mit der Gewerbehygiene beschдftigt hatte, die Zwangssterilisation Tausender Kinder empfohlen haben. Quelle: Medizinische Fakultät Münster: Ein Mythos bröckelt, Dtsch Arztebl 2011; 108(20): A-1137 / B-941 / C-941, Billig, Michael.
Wдhrend an anderer Stelle endlich die Fatale Geschichte der „Weiterbeschдftigung“ von ehemaligen NS-Funktionдren aus dem Dritten Reich und nach dem Dritten Reich, wie Theologen, Rassenhygieniker, Дrzten und anderen akademischen „Honoratioren“ der NS-Zeit im Hier und Jetzt vereinzelt endlich wahrgenommen wird und Betroffenheit erzeugt, schien dieses einen Rabbiner Dr. h. c. Brandt nicht zu tangieren. Er nahm geehrt diese „Auszeichnung“ an.
Tangiert hatte es aber eine Inge Meysel oder den kьrzlich verstorbene Horst E. Richter. Ihnen gilt unser Respekt, fьr viele stehend, die das Bundesverdienstkreuz abgelehnt haben. Letzterer hatte es klar ausgesprochen, mit der Begrьndung, dass „zu viele Alt-Nazis“ es erhalten hдtten.
Die Verleihung des Edith Stein Preises an Dr. h. c. Brandt lдsst verwundern oder doch nicht? Dafьr springt die mangelnde Sensibilitдt des Ausgezeichneten ins Auge. Edith Stein wurde am 1. Mai 1987 von Papst Johannes Paul II. in Kцln seliggesprochen. Der Protest jьdischer Mitbьrger blieb ungehцrt, weil Edith Stein nicht als „katholische Mдrtyrerin“ im KZ umgebracht wurde, sondern weil sie Jьdin war.
„Ich bereue sehr daЯ ich mich getauft hab; ich seh noch gar nicht ein, daЯ es mir seitdem besser gegangen sey, im Gegentheil, ich habe seitdem nichts als Unglьck.“ (Heinrich Heine – Brief an Moses Moser am 9. Januar 1826 - Zit. nach HSA, Bd. 20, S. 234.)
|
Add comment
|
|