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Selbstbewusste JKV nur unabhängig von den Gemeinden möglich Печать
Автор: Elena Gubenko   
12.12.2009 20:40

Haben jüdische Kulturvereine in Deutschland – angesichts des negativen Beispiels aus Berlin - eine Zukunft?

 

Aktuell haben jüdische Kulturvereine (JKV) einen sehr schweren Stand und müssen um ihr Überleben kämpfen. Diese alternativen jüdischen Organisationen haben die grundlegende Arbeit der Integration auf sich genommen, die nicht das Ziel religiöser Gemeinden sein kann und zu deren Verwirklichung sie nicht im Stande sind. Diese Aufgabe ist den Gemeinden aufoktroyiert worden und dafür bekommen sie viel Geld vom Staat. Auch die Teilnahme von Juden in Deutschland an den staatsbürgerlichen und politischen Leben des Landes und am interkulturellen Dialog realisieren gerade jüdische Kulturvereine. Und sie haben noch viele andere wichtige Funktionen.  Auch religiöses Leben kann in  Vereinen  frei, zwanglos, in einer wärmen menschlichen Atmosphäre verwirklicht  werden. Daher ist ein JKV viel attraktiver und anziehender für Juden als die jüdischen Gemeinden, die «Goldenen Käfigen».

Allerdings werden jüdische Kulturvereine von deutscher Seite nicht als vollgültige Vertreter der Juden in Deutschland angesehen. Sie erfahren keine moralischen und keine materiellen Unterstützung. Im Gegenteil: Widerstand kommt von Seiten der offiziellen jüdischen Strukturen, die nur für ihre Selbsterhaltung arbeiten und  ihr Monopol gegen jedwede  Konkurrenz verteidigen. Diese Strukturen streben danach, die Vielschichtigkeit des Judentums in Deutschland, seine unterschiedliche Identität, sein Selbstbewusstsein und seine Ausdrucksmöglichkeiten zu unterdrücken.

Ein Grund für diese Situation ist bei der falschen deutschen  Politik gegenüber den Juden zu  finden. Man darf Juden nicht als stimmlose Statisten, als Ventile in politischen Kampagnen  nutzen und von oben angeordnete 'Spielregeln' aufzwängen. Deshalb sollte heute die komplette  Struktur jüdischer Organisationen  reformiert werden und den Juden ein freies Leben in verschiedenen beliebten Formen ermöglicht werden. Kulturvereine haben nur als ein Teil solch einer Infrastruktur eine Zukunft.

Kann man jüdische Kultur von jüdischer Religion trennen?

Es sollte eine funktionelle Trennung geben:  Religiöse Gemeinden sollten professionalisiert werden, sollten nur von Rabbinern oder von anderen geistig und theologisch gebildeten Personen geleiten und geführt werden, und nicht von inkompetenten Funktionären,  wie es heute der Fall ist. Und diese Gemeinden sollten sich auf das religiöse Leben konzentrieren.  Andere Funktionen – kulturelle, soziale, politische, integrative – sollten ein Prärogativ der jüdischen Kulturvereine sein. Dafür sollten sie materielle Unterstützung erhalten. Religion und jüdische Sitten sind heute auch ein Teil des Lebens von Vereinen (nicht von allen), und das soll auch so bleiben. Die Gemeinden sollten mit ihren Spezialisten bei der religiösen Arbeit den Vereinen helfen.

Können jüdische Kulturvereine als Teil einer jüdischen Gemeinde agieren? Oder sollten sie unabhängig von einer Gemeinde sein?

Ohne eine demokratische Basis sind die Gemeinden heute abhängig von subjektiven Faktoren. Mit wenigen Ausnahmen sind jüdischen Gemeinden autoritär und undemokratisch. Unter dem Dach solcher Gemeinden können nur gehorsame, willfährige, konforme JKV am Leben bleiben. Selbstbewusste Vereine mit eigener Philosophie, mit eigenen Visionen können nur unabhängig von Gemeinden existieren.

Welche Probleme haben jüdische Kulturvereine mit den Gemeinden?

Während seiner Geschichte musste der Verein «Kinor» immer den Widerstand der örtlichen Gemeinde überwinden. Die Existenz und Tätigkeit des Vereines wurde permanent von Seiten der Gemeinde verhindert. Zusammen mit der deutschen Politik schwächt das die Position des Vereines in der Gesellschaft und verunmöglicht dessen Zukunft. «Kinor» hat deshalb die Initiative «SOS! Freie jüdische Initiative» gegründet und kämpft gemeinsam mit dem «Forum für die Zukunft des Judentums in Deutschland» für das würdige jüdische Leben sowie für die Zukunft des Judentums in Deutschland.


Elena Gubenko ist Leiterin des seit dem 2000 existierenden Jüdischen Kulturvereines «Kinor» in Gelsenkirchen

Dieser Artikel in der «Jüdischen Zeitung», Dezember 2009, entstand aus den Antworten vom Verein «Kinor» zur Befragung der Zeitung zur "Zukunft des Modells Jüdischer Kulturverein“. Anlass: In Berlin steht der JKV vor dem Ende."


Elena Gubenko, jüdische Aktivistin, Leiterin des Jüdischen Kulturvereines KINOR (http://gelsenzentrum.de/kinor/buch_kinor.pdf), wurde 2008 in Gelsenkirchen für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in Bereichen Integration und interkulturelle Arbeit mit dem Preis «Migradonna» gewürdigt – ein Preis für starke Frauen mit Migrationshintergrund.
Der Jüdische Kulturverein KINOR wurde 2006 für seine vielseitige Tätigkeit mit dem bundesweiten Preis «Aktiv für Demokratie und Toleranz» ausgezeichnet.
Heute ist Elena Gubenko auf den Kampf für die Zukunft des Judentums in Deutschland und für Menschenrechte von deutschen Juden konzentriert.

Redaktion

 

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